Allgemeine Beschreibung
Seit den 1960er-Jahren wurden Getränke für den Einsatz vor, während und nach Belastungen entwickelt und als Sportgetränke, Kohlenhydrat-Elektrolyt-Getränke oder isotonische Getränke bezeichnet. Diese Getränke sind neben Wasser oft aus verschiedenen Kohlenhydratarten wie Traubenzucker, Fruchtzucker, Zucker, Stärke (z.B. Maltodextrin) und Mineralstoffen zusammengesetzt. Diese Getänke weisen im Vergleich zum Blut tiefere (hypotone) bis identische (isotone) Konzentrationen an gelösten Teilchen auf. Demgegenüber sind in Süssgetränken oder Fruchtsäften im Vergleich zum Blut deutlich höhere Konzentrationen an gelösten Teilchen (= hypertone Lösungen) enthalten. Im Vergleich zu hypertonen Lösungen verweilen hypo- bis isotone Getränke weniger lang im Magen und werden in grösseren Mengen in den Körper geschleust. Hypertone Getränke führen zu einer verlangsamten Verfügbarkeit von Wasser, Kohlenhydraten und Mineralstoffen und sind deshalb für längere Belastungen mit hohen Flüssigkeitsverlusten nicht geeignet. In den häufig auf Fruchtaromen aufbauenden Kohlenhydratgetränken befinden sich meistens auch kleinere Mengen an Mineralstoffen wie beispielsweise Natrium, Kalium, Chlorid und Phosphat neben anderen Inhaltsstoffen (z.B. mittelkettige Fettsäuren (MCT), verzweigtkettige Aminosäuren (BCAA), Taurin, Koffein etc.). Auch konzentriertere Kohlenhydratlösungen in Kombination mit diversen Inhaltsstoffen sind in Form von Gels oder Spezialgetränken zur Überfüllung der Kohlenhydrat- oder Wasserspeicher verfügbar.
Metabolismus, Funktion, Wirkung und Leistung
Während länger dauernden, intensiven Belastungen können dem Körper in Abhängigkeit verschiedener Faktoren (z.B. Klima, Akklimatisation, Körpermasse, Schweissrate, Schweisszusammensetzung) individuell stark variierende Mengen an Flüssigkeit und Salz verloren gehen. Oft gelingt es nicht, über eine hypo- bis isotone Flüssigkeitszufuhr die entstehenden Flüssigkeitsverluste auszugleichen (Dehydratation), was über Störungen verschiedener Stoffwechselfunktionen zu Flüssigkeitsverlust bedingten Leistungsminderungen führen kann. Neben diesen dehydratationsbedingten Leistungsreduktionen wird bei mehrstündigen Belastungen mit nicht ausreichender Kohlenhydratzufuhr oft auch ein Absinken des Blutzuckerspiegels beobachtet, der bei starkem Abfall zu Symptomen wie beispielsweise Schwindel, Übelkeit, kalter Schweiss, Sehstörungen und stark reduzierter Konzentrations- und Leistungsfähigkeit führen kann. Sind die Dehydratation und stark sinkende Blutzuckerwerte als leistungslimitierende Faktoren etabliert, scheinen die mit dem Schweiss verlorenen Elektrolyte (z.B. Natrium) unter klimatischen Normalbedingungen die Leistungsfähigkeit während kurzen Belastungen kaum zu beeinflussen. Bei mehrstündigen Ausdauerbelastungen mit hohen Salzverlusten und Flüssigkeitszufuhren ausschliesslich mit Wasser oder natriumarmen, stark hypotonen Getränken, welche die Flüssigkeitsverluste bei weitem übersteigen, können die Leistung negativ beeinflussende, sogenannte Hyponatriämien beobachtet werden. In Kenntnis dieser physiologischen Grundlagen sind Kohlenhydratgetränke oft den folgenden Kriterien entsprechend konzipiert:
- Förderung der freiwilligen Flüssigkeitsaufnahme (Geschmack, Farbe, Verpackung etc.)
- Stimulation der schnellen Flüssigkeitsaufnahme (Energiegehalt, Kohlenhydratanteil, Elektrolyte)
- Bereitstellung verschiederner Kohlenhydratarten mit dem Ziel der maximalen Aufnahme und Verbrennung für eine verbesserte Leistungsfähigkeit bei länger dauernden Leistungen
- Verbesserung verschiedener Stoffwechselfunktionen (Blutzucker, Neurotransmitter, Immunsystem, Entzündungsstoffwechsel, Natriumstoffwechsel)
- Schnellere Wiederauffüllung verlorener Flüssigkeit (Rehydratation)
Dem heutigen Kenntnisstand entsprechend scheint es sinnvoll, sich während Belastungen im Stundenbereich hauptsächlich auf die Flüssigkeits-, Elektrolytzufuhr und die Versorgung mit verschiedenen Kohlenhydratarten über gut verträgliche Getränke und Kohlenhydratgels + Wasser zu konzentrieren. Von der Zufuhr weiterer alternativen Energiequellen wie beispielsweise Eiweiss, BCAA, MCT und Inhaltsstoffen wie Glutamin, Kreatin und L-Carnitin darf dem heutigen Kenntnisstand entsprechend bei Belastungen von wenigen Stunden kein leistungsfördernder Effekt erwartet werden. Aus Gründen der Praktikabilität wird während der Leistung oft auf höher konzentrierte Kohlenhydratlieferanten in Form von Gels in Tuben oder Aufreissbeuteln zurückgegriffen. Diese enthalten neben verschiedenen Kohlenhydraten oft auch in geringen Mengen Elektrolyte, Vitamine und weitere Inhaltsstoffe wie beispielsweise MCT und Koffein. Bei der Verwendung dieser Gels während länger dauernden Belastungen ist unbedingt darauf zu achten, dass Gels (wie von den meisten Herstellern empfohlen) mit genügend Flüssigkeit kombiniert werden. Kohlenhydratgetränke wie auch Kohlenhydratgels + Wasser weisen direkt leistungsbeeinflussendes Potential auf und werden deshalb als A-Supplemente klassifiziert
Mögliche Nebenwirkungen
In Abhängigkeit verschiedener Faktoren (z.B. Konzentration, Inhaltsstoffe) werden Kohlenhydratgetränke und Kohlenhydratgels individuell sehr unterschiedlich vertragen (z.B. Magen-, Darmprobleme). Unter Einnahme kohlenhydrathaltiger Getränke und Gels vor, während und nach der Belastung scheint die Oxidation von Fetten reduziert zu sein.
Anwendung und Dosierung
Bezüglich länger dauernden Belastungen im Stundenbereich werden in Abhängigkeit verschiedener Faktoren (z.B. Klima, Belastungsintensität, individuelle Aspekte) Flüssigkeitszufuhren im Bereich von 0,4-0,8 Liter pro Stunde empfohlen. Sind die Flüssigkeitsspeicher vor Belastung gefüllt (Kontrollmöglichkeiten: z.B. Körpermasse, hellgelbe Urinfarbe), können diese bei Belastungen, bei denen mit hohen Flüssigkeitsverlusten zu rechnen ist, mit Kohlenhydratgetränken in den Minuten vor Belastungsbeginn diese Speicher gezielt überfüllt werden. Die Zufuhr verschiedener Kohlenhydrate soll bei länger dauernden, intensiven Belastungen ca. 60 Gramm pro Stunde betragen. Dies führt dazu, dass die Kohlenhydratkonzentration des Getränkes je nach individuellen Flüssigkeitsverlusten beispielsweise im Sommer und im Winter variieren kann.
Bei der Wiederauffüllung der während der Leistung verloren gegangenen Flüssigkeit sollte in den Stunden nach Belastung pro Liter Schweissverlust ca. 1,5 Liter Flüssigkeit kombiniert mit genügend Kochsalz aufgenommen werden. In dieser Phase der sogenannten Rehydratation scheint eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit + Kochsalz + Eiweiss die Wiederauffüllung der Flüssigkeitsräume zu begünstigen. Neben dem Auffüllen verlorener Flüssigkeit und Elektrolyte werden durch die parallele Einnahme von schnell verfügbaren Kohlenhydraten, Mineralstoffen und Eiweiss auch regenerative Prozesse aktiv unterstützt.
Die folgenden Tabellen sollen diese Aspekte nochmals kurz zusammengefasst werden:
Aspekt | Hauptziele | Produktzusammensetzung | Einnahmemenge | Einnahmezeitpunkt |
kurzfristige Prähydratation | o bei zu erwartenden hohen Flüssigkeits-verlusten zusätzliche kurzfristige Füllung der Flüssigkeitsspeicher o Neuromodulation | Kohlenhydrate: ca. 50-100 g/Liter Elektrolyte: Kochsalz: 1-1,5 g/Liter Kalium: 80-200 mg/Liter | 3 - 5 dl | Minuten vor Belastungsbeginn schluckweise |
Hydratation | bei intensiven Belastungen >1 Stunde Dauer Vermeidung Dehydratation (>2% des Normalgewichtes Vermeidung Hypoglykämie Vermeidung Hyperhydratation Lieferung verschiedener Kohlenhydrate (ca. 60 Gramm pro Stunde Belastung | Kohlenhydrate: ca. 50-100 g/Liter Elektrolyte: Kochsalz: 1-1,5 g/Liter Kalium: 80-200 mg/Liter | 4 - 8 dl pro Stunde intensive Belastung | je nach Verträglichkeit auf einzelne oder mehrere Portionen verteilt einnehmen |
Rehydratation | Flüssigkeits-, Elektrolytverluste innerhalb von ca. 6 Stunden nach Belastung ausgleichen andere regenerative Prozesse unterstützen | Kohlenhydrate: ca. 50-100 g/Liter Elektrolyte: Kochsalz: 1,5-3 g/Liter Kalium: 80-200 mg/Liter in Kombination mit Kohlenhydrat-Eiweiss-Mixturen, Wasser und salzhaltigen Lebensmitteln | pro Kilogramm Körpergewichts- verlust ca. 1,5 Liter Flüssigkeit in Kombination mit genügend Salz (Getränke, Lebensmittel) | in den 6 Stunden nach Belastung |